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Gemälde der Taufe Christi mit Engeln (Foto: DAS TOR Stadtmuseum Coesfeld)

Die Taufe Christi am Jordan, 1679


Wolfgang Heimbach
Öl auf Holz, 115 × 93,5 cm
bezeichnet unten rechts: Coesfelt, / Wolffg. HBach C[ontra]f[actor] / 1679
Coesfeld, DAS TOR Stadtmuseum, Inv. V/1972/K1
Provenienz: 2012 erworben aus Bremer Kunsthandel

Heimbachs letztes Gemälde schuf er ohne nachweisbaren Auftraggeber und könnte daher als Werbung für Zukünftige gedient haben. So versucht er augenscheinlich all sein Können zu beweisen und bewirbt sich als Vertreter biblischer Historienmalerei.

Werk im Detail

Taufzeremonie

Das hochformatige Gemälde weist ein reiches Bildpersonal auf und macht die biblische Geschichte der Taufe Jesu Christi, die sich im Bildhintergrund abspielt, zum eigentlichen Bildmittelpunkt. Begleitet von zwei Engeln hat Johannes der Täufer seine Hand weit über das Haupt des knienden Christi erhoben.

Besonders beeindruckend setzt Heimbach das Spiel mit Licht und Schatten ein: So steht Christus zwar im Hintergrund der Menschenmenge, wird dennoch durch die Lichtführung als Mittelpunkt der Szenerie inszeniert.

Ausschnitt des Gemäldes mit dem Knieenden Jesus und Johannes dem Täufer

Staffagefiguren

Die Hauptgruppe befindet sich am Ufer im Jordantal, das Heimbach als bergige Landschaft darstellt, und wird von vielen Randfiguren umgeben. Männer und Frauen allen Alters und unterschiedlichster Physiognomie sind Zeugen des biblischen Taufaktes und sollen das künstlerische Können des Malers beweisen.

Am Rand des Flusses stehen Menschengruppen in verschiedenen Gewändern und werden Zeuge der Taufe.

Himmlische Scharen

Christus blickt empor zur aufgebrochenen Wolkendecke, in deren lichtgeflutetem Zentrum Gott in Mitten einer Engelsschar auf einer Wolke thront und in einem Lichtstrahl den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube zu seinem Sohn herabsendet. Besonders die Anordnung der Engelsschar auf den Wolkenterrassen erinnert an italienische Vorbilder und den barocken Überfluss, der auch oft in Sakralbauten zu finden ist.

Gott sitzt auf einer Wolke, umgeben von Engeln und Putten.

Welche Figuren hat Heimbach in seinem Werk noch versteckt?

"Der Dornauszieher" als Antikenzitat

Das Motiv des Dornausziehers ist in der Kunstgeschichte seit der Antike bekannt. Es wurde vor allem durch die Bronzeskulptur des „kapitolinischen Dornausziehers“ geprägt, die sich in den Kapitolinischen Museen in Rom befindet und in der Neuzeit immer wieder rezipiert wurde.

Eine ungewöhnliche Badeszene

Während im Mittelpunkt der Taufakt durchgeführt wird, erkennt man im Hintergrund eine weitere Szene: zwei unbekleidete Frauen werden beim Baden gezeigt, die ihrerseits von zwei (älteren?) Männern beobachtet werden. Dies weckt Assoziationen an Bildmotive wie "Susanna im Bade".