RADAR: Tornike Gognadze. Merry-Go-Round
7.3. – 31.5.2026
Zurückdenken an das bereits Geschehene, das Gesehene und Gefühlte heißt sich erinnern, um das Vergangene wieder und wieder in die Gegenwart zu holen, sei es in den eigenen Gedanken oder durch das Teilen mit anderen. Doch mit zunehmender Zeit und Distanz bleiben nur noch Bruchstücke erhalten. Eine vollständige Rekonstruktion des Erlebten fällt dadurch immer schwerer. Die Bilder verschwimmen, fügen sich neu zusammen und ergeben eine narrative Rekonstruktion, die zwar auf der persönlichen Erfahrung beruht, aber nicht dem tatsächlich Geschehenem entspricht, selbst wenn sie sich ‚wahr‘ anfühlt. Dieser Prozess ist ein normales, menschliches Phänomen und nicht zwangsläufig Folge nostalgischer Verzerrung, krankheitsbedingten Gedächtnislücken oder dem ‚False-Memory-Syndrom‘. Doch wenn diese verzerrte Erinnerung nicht nur die eigene Realität prägt, sondern auch die einer ganzen Gruppe oder Nation, fällt ihr Hinterfragen umso schwerer.
Tornike Gognadzes RADAR-Projekt Merry-Go-Round problematisiert nicht nur die Fehlbarkeit des menschlichen Gedächtnisses, sondern die sozialen wie politischen Auswirkungen einer solchen kollektiv verfälschten Erinnerung, ein häufig als „Mandela-Effekt“ bezeichnetes Phänomen. Das Projekt entwickelt sich ausgehend von seinem Kurzfilm Boom Ball (2025), einem Kammerspiel, in dem zwei Protagonist:innen mit der Fragilität ihrer persönlichen Anekdoten konfrontiert werden und zunehmend das individuelle wie auch das kollektive Gedächtnis hinterfragen. Diese filmische Untersuchung wird durch eine Lichtinstallation in den physischen Raum erweitert und schafft einen Resonanzraum, in dem sich fiktionale Erzählung und gegenwärtige Erinnerung überlagern und ineinander aufgehen.
Kuratiert von Vivien Kämpf und Theresa Roessler.
RADAR ist eine Kooperation des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins.
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