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Christiane Kretschmer lachend (1965, Repro: LWL-MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster)

Der Augenblick. Die Fotografin Annelise Kretschmer

6.5. – 14.8.2022

Annelise Kretschmer (1903–1987) ist eine der ersten Frauen, die in der Weimarer Republik (1918–1933) ein eigenes Fotostudio eröffnet und auf international renommierten Ausstellungen ihre Werke zeigt. Große Bekanntheit erlangt sie mit ihren eindringlichen Porträtaufnahmen. Vor ihrer Kamera stehen Künstler:innen, Industrielle, Arbeiter, Bäuer:innen und immer wieder Kinder, deren Porträts zu den eindrucksvollsten Zeugnissen dieses Sujets zählen.


Die Künstlerin arbeitet gern mit Menschen zusammen und hat ein besonderes Gespür für ihr Gegenüber: Ihr gelingt es, in den Bildnissen das Wesen ihrer Modelle herauszuarbeiten. Dies ist das bestechende Merkmal ihres 56 Jahre andauernden fotografischen Schaffens.

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster hat auf Initiative des LWL-Medienzentrums für Westfalen im Dezember 2019 den nahezu geschlossenen Nachlass Kretschmers von deren jüngsten Tochter erworben. Die Ausstellung beleuchtet alle Schaffensphasen der in Dortmund geborenen Fotografin und räumt ihrem bevorzugten Motiv – dem Porträt – einen besonderen Schwerpunkt ein.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem LWL-Medienzentrum für Westfalen.


Gefördert wird sie durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, die Kunststiftung NRW und die Kulturstiftung der Länder.

Der Augenblick. Die Fotografin Annelise Kretschmer

Das Schaffen der Fotografin lässt sich in die sieben Themengebiete unterteilen: Neue Frau, Fotos ohne Aufträge, Reisen, Fotoatelier, Mode, NS-Zeit und Kultur und Wirtschaft. Erfahren Sie mehr zu den einzelnen Bereichen über die jeweiligen Links. Auf dieser Seite erfahren Sie mehr zur Biografie von Annelise Kretschmer.

Biografie: Annelise Kretschmer

Kindheit und Jugend

1903

Annelise Silberbach wird in Dortmund geboren. Die Eltern Julius und Laura Silberbach führen dort ein Modegeschäft. Trotz der jüdischen Herkunft des Vaters werden Annelise und ihre Geschwister Wilhelm und Margot evangelisch erzogen. Julius Silberbach besitzt eine Kunstsammlung.

Annelise (links) mit ihren Geschwistern

In den 1910er-Jahren besucht Kretschmer das Goethe-Lyzeum. Hier freundet sie sich mit der späteren Malerin Gerta Overbeck an.

Annelise Kretschmer mit Kamera von 1927. (Repro: LWL-MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL -Museum für Kunst und Kultur, Münster)

Ausbildung

1922

Kretschmer beginnt ihr Volontariat im Fotoatelier von Leon von Kaenel in Essen.

1924

Sie wechselt nach Dresden zu Fotograf Franz Fiedler.

1926

Berufung in die Gesellschaft Deutscher Lichtbildner und Teilnahme Gruppenausstellungen.

Sie beginnt, ihre Fotografien in Zeitschriften zu publizieren.

1928

Erste Reise nach Paris; später knüpft Kretschmer dort Kontakte zu Florence Henri und Ilse Bing.

Porträt Florence Henri, 1933, Silbergelatineabzug, 38,7 x 29 cm

Hochzeit mit dem Künstler Sigmund Kretschmer. Das Paar bekommt vier Kinder: Tatjana, Michael, Nina und Christiane.

Die ersten Jahre der Selbstständigkeit

1929

Im Modehaus ihrer Eltern eröffnet sie ein Fotoatelier. Kretschmer ist Alleinverdienerin, ihr Mann kümmert sich um die Familie.

1933

Ausschluss aus der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln.

Ein Jahr später stirbt ihr Vater und Annelise tritt der Deutschen Arbeitsfront bei.

1936

Kretschmer legt ihre Meisterprüfung ab und bildet von nun an aus. Ein Jahr später, 1937, zieht die Familie für zwei Jahre nach Worpswede zur Malerin Gerta Overbeck.

1943

Zu Beginn des Bombenkriegs in Dortmund zieht die Familie auf einen Hof bei Freiburg im Breisgau. Für Aufträge pendelt Kretschmer nach Dortmund. Das Atelier wird von einer Gesellin weitergeführt. Ein Jahr später wird das Atelier bei einem Luftangriff zerstört.

Selbstporträt mit Kamera, um 1960 (Reproduktion: LWL-MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster)

Nachkriegszeit

1950

Die Familie kehrt nach Dortmund zurück. Wiedereröffnung des Fotoateliers.

In den 1950er-Jahren baut Annelise Kretschmer eine enge Freundschaft zu Leonie Reygers auf, die in Dortmund das Museum am Ostwall leitet.

Bildnis der Kunsthistorikerin Dr. Leonie Reygers, o. J., Silbergelatineabzug, 51,6 x 52,2 cm

1953

Sigmund Kretschmer nimmt sich das Leben.

1958

Christiane beginnt ihre Ausbildung im Fotoatelier Kretschmers und unterstützt fortan ihre Mutter.

1978

Aufgabe des Ateliers aus Altersgründen.

Nachlass

1987

Kretschmer stirbt in ihrer Heimatstadt.

2019

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster kauft den Nachlass der Fotografin von ihrer Tochter Christiane an.

Der Augenblick. Die Fotografin Annelise Kretschmer

Das Schaffen der Fotografin lässt sich in die sieben Themengebiete unterteilen: Neue Frau, Fotos ohne Aufträge, Reisen, Fotoatelier, Mode, NS-Zeit und Kultur und Wirtschaft. Erfahren Sie mehr zu den einzelnen Bereichen über die jeweiligen Links.